„Ist ein Arzt an Bord?“ Auch wenn wir es niemandem wünschen, ein Notfall im Alltag und auch in der Zahnarztpraxis ist schnell passiert. Deshalb trainieren wir regelmäßig den Ernstfall um schnell und vor allem richtig reagieren zu können. Denn auch für uns stellt ein allergischer Schock, eine Ohnmacht, ein Herzinfarkt, oder gar ein Schlaganfall eine außergewöhnliche Situation dar, die nur äußerst selten, oder im besten Fall gar nicht eintritt.

Eine regelmäßige Auffrischung der theoretischen und auch praktischen Fähigkeiten des gesamten Teams ist daher ein Muss, auch wenn dies der Gesetzgeber gar nicht vorschreibt. Schnell wird es bei einem Ernstfall hektisch. Dann heißt es Ruhe bewahren, den Überblick behalten und koordiniert die einzelnen Schritte des sog. „Basic Life Support“ (BLS) einzuleiten. „Wer informiert den Rettungsdienst?“ – „Wer übernimmt die Erstversorgung am Patienten“ – „Wie muss der Patient gelagert und bewegt werden?“ – „Ab wann und wie muss der Patient wiederbelebt werden?“ – „Welche Medikamente können tatsächlich Leben retten?“ – wichtige Fragen, die in einem mehrstündigen Seminar theoretisch und praktisch behandelt und eingeübt wurden. Angeleitet von Narkoseschwester Frau Walgenbach, wurde so unser Dummy (der gleich mehrere Herzstillstände erleiden musste) mehrfach erfolgreich reanimiert. Er konnte die Praxis zum Schluss putzmunter wieder verlassen.

 

Im Rahmen eines theoretischen und praktischen Kursus in unseren Praxisräumen trainierten hier unsere Zahnwerkerinnen und Dr. Brune fleißig an unserem (freiwilligen) Dummy. Hier war das richtige Timing gefragt, um die Herz-Druckmassage korrekt durchzuführen. Zum Rhythmus von „Staying alive“ wurde dabei kräftig reanimiert. Dieser Song stellt eine Hilfestellung für den Ersthelfer dar, um die empfohlene Menge an Thoraxkompressionen pro Minute zu gewährleisten (120/Min). Im Verhältnis von 30:2 wurde so im Wechsel 30 Mal der Thorax komprimiert und 2 Mal die Lunge beatmet. Kaum zu glauben wie viel Kraft eine ca. 2 minütige Reanimation in Anspruch nimmt, da ist wirklich Teamwork gefragt.

Überwacht wurde die erbrachte Leistung durch eine digitale Messung der Wiederbelebungsaktivität. Neben dem richtigen Rhythmus wurde auf diese Weise auch die Beatmung (Luftvolumen), der Druckpunkt auf dem Thorax, die Tiefe der Kompressionen und letztendlich Qualität der Wiederbelebung gemessen. Unsere Referentin bestätigte unserem Dummy gleich mehrfach eine exzellente Überlebenswahrscheinlichkeit!

Ebenfalls aufgefrischt wurden die Kenntnisse im Bereich der Vitalwerte. Ab wann ist der Blutdruck zu hoch oder zu niedrig? Wie hoch sollte ein Puls/Min. sein. Wie messe ich den Blutzucker und welche Werte sind dabei gefragt. Wie hoch ist die normale Atemfrequenz und was passiert, wenn diese Werte aus dem Gleichgewicht geraten? Auch hier zeigte sich, dass ein gutes Training bereits vor dem Ernstfall das Risiko eines Kreislaufstillstandes sehr beeinflussen kann.   

Und wie war das nochmal mit der richtigen Lagerung? Nicht immer ist sofort ein vollständiger Kreislaufstillstand zu erwarten, denn oftmals ist bereits die Aufregung (Angst vor dem Zahnarzt), ein nicht ausreichend eingestellter Blutzuckerwert oder die Medikamenteneinnahme Grund für eine meist kurzzeitige Ohnmacht. In der Regel bleiben hier die Atmung und das Herz-Kreislaufsystem unbeeinträchtigt, sodass die richtige Lagerung des Betroffenen bereits Einfluss auf das Bewusstsein haben kann. Um zu vermeiden, dass der Patient erbricht, einen Fremdkörper aspiriert (Lunge) oder die Atemwege verlagert sind, wird er nach Feststellung der Atmung und eines Pulsschlags in die stabile Seitenlage gebracht. Bereits die horizontale Lagerung reicht oftmals aus, um das Bewusstsein schnell wieder zu erlangen.

Notfall auf dem Zahnarztstuhl! Der Ort, an dem ein Notfall passiert ist leider nicht vorhersagbar. Auch ein Grund, warum das Notfalltraining in der gewohnten Umgebung (in diesem Fall den Praxisräumen) regelmäßig eingeübt und verinnerlicht werden sollte. Hier ist zu erkennen, das unsere Zahnwerkerin, Frau Durguti, auf unserem Behandlungsstuhl ohnmächtig wird. Ihre schauspielerischen Fähigkeiten sind dabei nicht zu verachten! Frau Walgenbach demonstrierte, wie man mit wenigen, gezielten Handgriffen auch in diesem Fall stets sicher eine stabile Lagerung des Patienten erzielt, um dessen Vitalfunktionen zu sichern und die erste Hilfe einleiten zu können. Der sog. „Rautekgriff“ halft ihr dabei, auch ohnmächtig gewordene Patienten zu verlagern.

Insgesamt gestaltete sich das Notfallseminar im Zahnwerk alles andere als trocken und langweilig, nicht zuletzt Dank unsere ausgezeichneten Referentin und Notfalltrainerin Frau Walgenbach. Obwohl wir tagtäglich mit diesem Thema konfrontiert werden, bleiben Notfälle Gott sei Dank eine sehr seltene Ausnahme. Trotzdem zeigt sich, dass auch bereits trainierte und vermeintlich einfache Hilfemaßnahmen zur Erstversorgung einer regelmäßigen Auffrischung bedürfen und ein eingespieltes Team im Ernstfall Leben retten kann.

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